FED erhöht erstmals seit 1994 den Leitzins um 0,75%
- von Guido Zimmermann
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- 15 Juni, 2022
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Die US Notenbank hat erstmals seit 28 Jahren den Leitzins um 0,75%
erhöht. Dies war bereits in den letzten Tagen vom Markt so erwartet
worden. Dadurch wurde damals übrigens die Tequila Krise im Dezember 1994 ausgelöst, in
deren Folge Mexiko in ernsthafte Schwierigkeiten geriet und dem Staatsbankrott nur durch Vergabe von Milliarden Krediten durch den IWF verhindert werden konnte. Was war der Grund? Nun, durch die deutliche Zinserhöhung wertete der US Dollar deutlich innerhalb weniger Tage gegenüber anderen Währungen auf. Alleine der mexikanische Peso verlor innerhalb weniger Tage knapp 50%, was die Kreditkosten für die Dollaranleihen regelrecht explodieren liess. Dadurch gerieten die mexikanischen Banken in extreme Schieflage und standen vor der Pleite. In der Folge wurden viele der mexikanischen Banken von ausländischen Instituen übernommen.
Und auch diesmal werden
einige Länder in ernsthafte Zahlungsschwierigkeiten geraten.
Insbesondere Länder der Emerging Markets, die oftmals Kredite in Dollar
aufgenommen haben, da ihre eigene Währung von Gläubigern, nicht
akzeptiert wird. Diese Länder zahlen, infolge der Zinsanhebung immer
stärker werdenden Dollar, deutlich höhere Raten für ihre Kredite. Viele
können schon jetzt nicht mehr und es ist wohl nur eine Frage von
Monaten, bis die Pleitewelle etliche Staaten erfasst. Goldman Sachs vermeldete heute, die Schweiz plane ebenfalls eine deutliche Zinsanhebung.
Die immer schneller steigenden Preise in den USA machen diese deutliche Zinsanhebung nötig. So sieht es auch der Markt. Dennoch bleibt abzuwarten, wie der Markt nun darauf reagiert. Oftmals kommen die wahren Reaktionen erst einen Tag später raus. Auch bei der letzten Zinsanhebung im Mai um +0,50%, wurde zunächst gefeiert, das FED Chef Jerome Powell damals noch klar sagte, eine Zinserhöhung von 0,75% sei vom Tisch für die nächsten Monate. Dies nahm der Markt mit sehr viel Wohlwollen auf und stieg extrem an, bevor er Tags darauf die Kehrtwende machte und deutlich korrigierte.
Derweil gerät die EZB immer mehr unter Druck, ob ihrer völlig desolaten Finanzpolitik. Kurzfristig wurde per heute ein Meeting für alle Mitglieder angesetzt. Man wacht wohl langsam aus dem Tiefschlaf auf und wird nervös. Noch letzte Woche gab man sich relativ gelassen. Man habe alles im Griff und erwarte weiterhin ein stabiles Wirtschaftswachstum für die kommenden Jahre. Offenkundig will man hierzulande nicht auf die völlig aus dem Ruder laufende Inflation angemessen reagieren, ansonsten hätte man zumindest letzte Woche reagiert und die Zinsen sofort angehoben und das QE Programm sofort beendet. Nun, man hat anders entschieden. Bis Ende Juni läuft das QE Programm noch und der Markt wird mit weiteren 150 Milliarden Euro geflutet. Ergo werden die Preise infolge der Inflation auch weiter deutlich steigen. Insgesamt wurden seit Juni 2020 monatlich 150 Milliarden Euro in den Markt gepumpt. Ein völliger Wahnsinn, für den die Bürger jetzt die Zeche zahlen. Die EZB sitzt auf einer Bilanz von 9,35 Billionen Euro. Dennoch plant man erst im Juli den Leitzins um 0,25% zu erhöhen. Und dann will man erstmal bis September abwarten. Na ja, bei so viel Gelassenheit kann gar nichts schiefgehen. Übrigens wurde bis Ende Januar 2022 noch ganz unverhohlen erläutert, die Inflation sei nur vorübergehend. Nun, das zeigt, hier sind wahre Meister und Wächter der Geldstabilität am Werk.

Das erste Halbjahr in 2022 ist Geschichte. Und es ist alles andere als ein gutes Halbjahr geworden. In der Tat verzeichnen die weltweiten Börsen deutliche Korrekturen und markierten den schlechtesten Verlauf eines Halbjahres seit 1962! Alleine der S&P500 vernichtete seit Anfang des Jahres 8,2 Billionen US Dollar.

Aktien könnten kurzfristig deutlich ansteigen, das zeigt zumindest das CNN US Sentiment der im Markt befindlichen Anleger auf. Dieses notiert per heute bei 6 und ist somit fast komplett überverkauft. Zudem ist dies der tiefste Wert seit Mitte März 2020, also nach dem Corona Crash der weltweiten Börsen. Zuvor hatte es Mitte Februar 2020 bei 97 notiert, was extrem überkauft war.

Die Erzeugerpreise in Deutschland steigen im Dezember um 24,2% im direkten Monatsvergleich. Ein absoluter Wahnsinn. Haben die Notenbanken die Kontrolle bereits verloren? Diese und viele andere Fragen, wie z.B. wie viele Zinsanhebungen gibt es denn nun wirklich in 2022 verunsichert die Märkte ebenso, wie die ausstehende Notenbanksitzung der FED.

Der teuerste Markt aller Zeiten. Und mehr als doppelt so teuer, wie das US GDP. Zusätzlich ist jetzt auch noch der Greed & Fear Indikator, das Sentiment der im Markt befindlichen Investoren, auf 85 geschnellt. Das bedeutet, der Markt ist bereits deutlich überkauft. Dennoch gehe ich davon aus, die Jahresendrally läuft weiter und die anstehende Korrektur erfolgt erst ab Mitte Janaur. Warum, lesen Sie selbst.

Mit Monte Paschi di Siena steht die älteste Bank der Welt vor dem Aus! Nach den gescheiterten Übernahme Gesprächen zwischen dem italienischen Staat und der Unicredito, dürfte das Aus der Bank wohl besiegelt sein. Viele aber wissen nichts von der Garantie, die Deutschland in 2016 ausgesprochen hat, damit die Bank weiter arbeiten kann. Und diese Garantie dürfte nun greifen.